Konjunkturumfrage

bdo-Konjunkturumfrage

Er ist ein gefeierter Umweltschützer. Aber leider ohne ausreichenden Rückhalt in der Politik. Das ist ein zentrales Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer (bdo). Der Bus gilt zurecht als Hoffnungsträger für eine Senkung des Schadstoffausstoßes, da er laut Umweltbundesamt die niedrigsten CO2-Emissionen aller motorisierten Verkehrsmittel nach sich zieht. Trotzdem deuten die Rahmenbedingungen für den Mittelstand im Busgewerbe aber nicht gerade auf eine neue Hochphase hin.

Umweltschutz mit Bus: große Chancen, die noch ungenutzt bleiben.

Es besteht in Hinblick auf die Rolle des Busverkehrs aus Sicht der Unternehmen eine Kluft: Auf der einen Seite wird er in lobenden Sonntagsreden gefeiert. Es fehlen aber die tatsächlichen politischen Maßnahmen für Förderung und Ausbau des Busverkehrs. Fast 90 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Unternehmerinnen und Unternehmer geben an, dass die hervorragende Umweltbilanz des Busverkehrs in den politischen Rahmenbedingungen nicht angemessen berücksichtigt wird. Dieser Umstand ist auch insofern eine Enttäuschung für die Branche, da ein Großteil der Unternehmerinnen und Unternehmer den Schutz natürlicher Ressourcen gleichzeitig für hoch relevant hält. Rund 61 Prozent der Befragten sagten, dass Nachhaltigkeit aktuell ein Thema für sie ist. Und fast die Hälfte (47 %) geht darauf auch schon im Zuge einer umweltschonenden Programmplanung ein.

Voraussetzungen für Antriebswende noch nicht geschaffen.

Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zeigt sich auch bei Fragen zur sogenannten Antriebswende deutlich. Mehr als 91 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer geben bei der Konjunkturumfrage an, dass Dieselfahrzeuge in den kommenden fünf Jahren nicht vollständig ersetzt werden können. Ein anderes eindeutiges Ergebnis steht in engem Zusammenhang dazu: 92 Prozent der Befragten sagen, dass alternative Antriebe derzeit noch nicht wirtschaftlich betrieben werden können.

Rahmenbedingungen insgesamt ein bremsender Faktor

54 Prozent der Teilnehmenden geben an, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen insgesamt eine Herausforderung für die Entwicklung des eigenen Unternehmens darstellen. Der hohe administrative Aufwand ist ein weiterer externer Faktor, der sich laut Unternehmerinnen und Unternehmern merklich nachteilig auf die Aussichten auswirken kann. 68 Prozent aller Befragten nannten dies als Herausforderung für ihre Arbeit.

Auch zunehmender Fahrermangel droht die Verkehrswende auszubremsen.

Mehr als 70 Prozent der privaten Busunternehmerinnen und Busunternehmer meldeten, dass in ihrem Betrieb bereits heute Fahrermangel herrscht. Davon geben rund 64 Prozent der Befragten zu Protokoll, dass dieser Mangel bereits gravierende Auswirkungen auf die betriebliche Tätigkeit hat. Der Blick nach vorne wird davon schon merklich getrübt. Von allen Befragten mussten ca. 64 Prozent konstatieren, dass sich der Mangel an Fahrerinnen und Fahrern in den letzten 12 Monaten verschärft hat. Damit fehlen die Voraussetzungen für einen deutlichen Angebotsausbau im öffentlichen Personenverkehr. Maut und Mehrwertsteuer als negative Faktoren In einem Fall ist der Schaden schon entstanden, im anderen droht er noch. Zwei Drittel der Busunternehmen (60 %) bewerten die Bevorzugung des Schienenverkehrs durch eine einseitige Senkung der Mehrwertsteuer negativ. Soviel zum Ist-Zustand. Mit Blick auf die zuletzt mitunter erneut heraufbeschworene Einführung einer Busmaut sehen etwa 60 Prozent der Befragten eine Einführung der Zwangsabgabe als Herausforderung für das eigene Unternehmen. 84 Prozent sehen die Einführung einer Busmaut grundsätzlich als negativ.

Fazit: Die Potenziale des Busverkehrs für einen Wandel im Verkehrssektor – und als Hebel bei der Emissionsreduzierung in Deutschland – können derzeit nur unzureichend genutzt werden. Die Praktikerinnen und Praktiker in den Busunternehmen im Mittelstand erhalten nicht die Rückendeckung, die sie benötigen. Die Rahmenbedingungen werden an mehreren Punkten als schwierig angesehen. Und das in einer Zeit, in der eigentlich der Busverkehr in Deutschland auch aufgrund internationaler Klimaschutzverpflichtungen zu neuer Blüte wachsen sollte.