Konjunkturumfrage

bdo-Konjunkturumfrage

Die Busbranche blickt auf ein sehr ungleichmäßig bewertetes Geschäftsjahr zurück. Während Unternehmer aus dem Fernlinienverkehr sich erneut durchweg positiv äußerten, sind ihre Kollegen im Bereich Bustouristik weniger euphorisch. Das allgemeine Urteil zur Geschäftslage 2017 bringt seitens der Bustouristiker weitestgehend Zufriedenheit zum Ausdruck, dennoch sind die Gewinne erneut stark eingebrochen. Im öffentlichen Personennahverkehr bewerten die Unternehmer die Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahr deutlich schlechter. Sowohl die Umsätze als auch die Gewinne sind gravierend zurückgegangen. Ursachen hierfür könnten der zunehmend schärfer werdende Wettbewerb und die zunehmende Kommunalisierung sein. Für das noch junge laufende Geschäftsjahr sehen die Prognosen der privaten, meist mittelständischen Unternehmen mehrheitlich pessimistisch aus. Während der Fernlinienbusverkehr in den letzten Jahren seit der Liberalisierung des Fernbusmarktes einen enormen Aufschwung verzeichnen konnte, wird von Unternehmern nun eine stagnierende Entwicklung des Marktsegmentes angenommen. Die Einschätzung der Bustouristiker fällt erneut mehrheitlich unzufrieden aus. Die zahlreichen Herausforderungen innerhalb der Branche lassen die Unternehmen kritisch in die Zukunft schauen. Die ÖPNV-Unternehmen blicken den Umfrageergebnissen zufolge überwiegend sehr düsteren Zeiten entgegen.

Die Zukunft gestalten: Innovationen für die Branche
Vorrangig äußern sich Unternehmen im Fernbussegment positiv über jegliche Innovationen innerhalb der Branche. Chancen im Feld alternativer Antriebsformen sehen vor allem Unternehmen im Fernbusbereich (85 %). Eher skeptisch gegenüber dem Thema zeigen sich hingegen ÖPNV-Unternehmen (17 %) und Unternehmen mit Schwerpunkt Gelegenheitsverkehr (7 %). Das Thema Nachhaltigkeit hat in allen drei Segmenten an Wichtigkeit hinzugewonnen. Die Größe des Unternehmens ist hierbei ausschlaggebend: Mit wachsender Unternehmensgröße steigt das Interesse an nachhaltiger Produkt- und Programmplanung.

Gefahren fürs Geschäft: Dieselfahrverbote & blaue Plakette
Große Sorgen bereiten allen drei Segmenten die drohenden Dieselfahrverbote in Städten und Regionen beziehungsweise die Einführung einer blauen Plakette. Diese führen zu Existenzängsten in der höchstwahrscheinlich noch längerfristig dieselabhängigen Branche. Auch befürchten zahlreiche Unternehmen den Anstieg der Dieselsteuer, der ebenfalls eine starke Belastung der Branche mit sich bringen würde.

Hohe Papierberge: Der administrative Aufwand wächst
Eine wachsende Zahl an Vorschriften und Vorgaben erhöht den administrativen Aufwand innerhalb der Unternehmen und belastet die mittelständisch geprägte Branche ungemein. Verschiedene Mehrwertsteuerbestimmungen, die Einführung zahlreicher Mindestlohnund Entsenderegelungen sowie die steigende Anzahl an unterschiedlichen Umweltzonen innerhalb Europas sind nur einige Beispiele für den stetig wachsenden zeit- und kostenintensiven Aufwand, der Unternehmen an ihre Grenzen bringt.

Nachwuchs gesucht: Fahrermangel bleibt großes Thema
Der weiter wachsende Fahrermangel ist seit Jahren ein großes Problem in der Busbranche und stellt die Unternehmen immer wieder vor eine große Herausforderung, Personal für den Berufszweig zu begeistern. Erneut ist der Anteil der Unternehmen mit Fahrermangel angestiegen. Rund 67 Prozent sind auf der Suche nach Fachpersonal. Unternehmen ohne eindeutigen Schwerpunkt weisen den größten Bedarf auf (73 %).

Viel Kritik: das Stimmungsbild zum Mobility Package
Die diesjährige Sonderabfrage zum Meinungsbild der Busbranche zu den Vorschlägen der EU-Kommission zum Mobility Package verdeutlicht, dass die Unternehmen mit den Entwürfen nicht zufrieden sind (49 %). Kritisiert werden die Vorschläge hauptsächlich, weil sie zu bürokratisch sind (62 %) und deutlich nur auf das Berufsbild der Lkw-Fahrer und nicht auf Busfahrer eingehen (58 %). Die Busbranche fordert eigenständige Lenk- und Ruhezeiten unabhängig vom Güterverkehr (93 %) und spricht sich gegen eine verkürzte Übergangsfrist der Nachrüstungspflicht für den Smart Tachographen aus (54 %). Auch die Einführung einer streckenabhängigen Maut würde für Busunternehmen negative Auswirkungen mit sich bringen, die zu Lasten der Unternehmer, der Gäste oder sogar der Mitarbeiter gehen würden.